Rund 50 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Jahrgänge der Oberschule Schwaförden nahmen vom 03.02. bis zum 06.02.2026 an einer Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz teil. Ziel der Fahrt war es, die im Unterricht behandelten Inhalte zum Nationalsozialismus an historischen Orten zu vertiefen und sich intensiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen. Die Fahrt startete an der Oberschule in Schwaförden und dauerte ca. 13 Stunden.
Dank des Engagements der Lehrkräfte konnten wir diese Fahrt machen, aber ebenso wichtig war die Unterstützung der Sponsoren. Das Interesse und die Teilnahmebereitschaft der Schüler*innen waren mit am wichtigsten, da die Fahrt sonst nicht stattgefunden hätte. Die Lehrkräfte haben diese Fahrt organisiert, um die Ereignisse des Nationalsozialismus nicht nur theoretisch im Unterricht zu behandeln, sondern sich vor Ort intensiv mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Die Fahrt setzte sich aus zwei Schwerpunkten zusammen. Am ersten Tag besuchten wir Krakau und unternahmen dort eine für unser Thema passende Stadtführung. Die Stadtführung begann an der alten Synagoge in Krakau, ging weiter zu einem jüdischen Friedhof, dann über die Weichsel zum jüdischen Ghetto aus der NS-Zeit und endete auf dem alten Fabrikgelände von Oskar Schindler.
Die alte Synagoge wurde heute zu einem Museum umgebaut, in dem das jüdische Leben in Krakau dargestellt wird. Es war auch spannend, einen jüdischen Friedhof zu besuchen, da die Gräber während des Zweiten Weltkriegs geschändet und die Grabsteine als Baumaterial für Straßen dienen mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der jüdische Friedhof von den Krakauern wiederhergestellt bzw. restauriert.
Beim Besuch des alten jüdischen Ghettos fiel ein Aspekt besonders auf. Auf dem Hauptplatz des Ghettos wurden unzählige leere Stühle hingestellt. Diese Stühle erinnern an den Holocaust und der Platz ist ein zentraler Erinnerungsort in Krakau, da er vor allem als Sammelplatz für Deportationen in die Vernichtungslager genutzt wurde. Die Stühle sollen diese Leere danach vermitteln.
Die Stadtführung endete – wie bereits erwähnt – in der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler. Anders als wir erwartet hatten, wurde das alte Fabrikgelände ebenfalls zu einem Museum umgebaut. Der
Schwerpunkt des Museums war die Sicht der Polen auf die NS-Zeit. Dieser Perspektivwechsel hat bleibenden Eindruck hinterlassen. Mit Hilfe von Bildern, Zeitungsartikeln aus der Zeit,
Straßenschildern oder Verordnungen hat man den Einfluss der NS-Zeit und den polnischen Widerstand gut greifen können. Dennoch gab es immer mal wieder einen Bezug zu Oskar Schindler. So wurden in
einem Raum die Namen der Juden dokumentiert, die er gerettet hat und in einem anderen Raum wurden die hergestellten Produkte gezeigt. Auch sein altes Büro war noch erhalten. Alles in allem war
die Stadtführung sehr lehrreich und es entwickelte sich ein viel besseres Verständnis für das jüdische Leben im Allgemeinen aber vor allem auch für die dramatische Situation der Juden in Krakau
bzw. im jüdischen Ghetto.
Nach einem langen Tag ging es dann endlich ins Hotel, dennoch merkte man, dass die Gedanken immer wieder bei der Stadtführung waren und das Gehörte/ Gesehene erst noch verarbeitet werden
musste.
Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück in das Konzentrationslager Auschwitz. In Auschwitz angelangt konnte man die Schicksale der dort gestorbenen Menschen direkt spüren. Der Zugang zur
Ausstellung erfolgte durch einen langen Gang mit hohen Wänden. Über die Lautsprecher wurden die Namen der Verstorbenen verlesen. Auch als wir durch das berühmte Tor mit der Aufschrift „Arbeit
macht frei“ hindurchgingen war es sehr bedrückend.
Im Anschluss wurden wir von unserem Reiseleiter durch die einzelnen Gebäude geführt und haben dort Haare, Kleidung, Koffer, Bilder der Inhaftierten, Foltermethoden und vieles mehr gesehen. Das
hat noch einmal gezeigt, wie schlimm die Zeit dort gewesen sein muss. Für viele war es sehr beängstigend, da niemand wirklich verstehen konnte, wie man Menschen so behandeln konnte, ohne sich
dabei schlecht zu fühlen.
Der Reiseleiter erzählte, dass die Juden dort z.B. mit Musik zur Arbeit hin und zurück laufen mussten. Dies war jedoch nicht so, wie man es sich vorstellen würde. Der Hinweg war für sie noch
einigermaßen erträglich, doch der Rückweg nicht mehr. Sie mussten die Toten auf dem Rückweg tragen zur gleichen Musik, mit der sie zur Arbeit gelaufen waren. Den Rückweg mussten sie so lange
laufen, bis die SS-Männer sich genügend amüsiert hatten. Diese Schilderung machte deutlich, wie grausam und entmenschlichend das Lagersystem organisiert war.
Dies war noch eine der weniger drastischen Schilderungen des Reiseleiters. Die Geschichten, die wir gehört haben, waren so grausam, dass uns aus heutiger Sicht die Vorstellungskraft zu diesen
Gräueltaten fehlt.
Nach 90 Minuten machten wir uns mit dem Bus auf den Weg zum zweiten Lager Auschwitz-Birkenau. Hier fiel vor allem die unfassbare Größe des Lagers direkt auf. Am Horizont konnten wir das Ende des Lagers nicht sehen. Es reihten sich die Baracken aneinander und in der Mitte befand sich „die sogenannte Judenrampe“, an der die Juden selektiert und im Anschluss in die Gaskammern gebracht worden sind. Diesen Weg sind wir auch gelaufen und man merkte bei jedem Schritt, dass es immer schwerer fällt Richtung Gaskammer und Krematorium zu gehen. Vor den gesprengten Ruinen stehend, hörten wir dem Reiseleiter zu, der uns den Prozess von der Selektion bis zum Verbrennen der Leichen detailliert schilderte. Auch hier merkten wir, wie wichtig unsere Fahrt war. Es ist einfach ein großer Unterschied, ob man dieses Thema nur im Unterricht behandelt oder ob man vor Ort ist und sich das alles selbst anschaut, den Geschichten aus der Zeit zuhört und diese Erfahrung in Auschwitz macht.
Die Fahrt hat uns nicht nur historisches Wissen vermittelt, sondern auch gezeigt, wie wichtig es ist, Verantwortung zu übernehmen, Menschlichkeit zu bewahren und sich aktiv mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinanderzusetzen. Solche Erfahrungen tragen dazu bei, das Bewusstsein für Demokratie, Toleranz und Mitmenschlichkeit zu stärken. Der Besuch eines solchen Ortes kann helfen, Geschichte begreifbar zu machen. Er zeigt, wie grausam die Ereignisse waren und wie bedrückend dieser Ort noch heute wirkt – selbst wenn man nur wenige Stunden dort verbringt.
Nia Hagen & Shanice Beermann







